Balance zwischen Beruf und Familie im Pflegefall
Die Pflege eines Angehörigen kann eine große emotionale, zeitliche und finanzielle Herausforderung sein – besonders für Berufstätige, die neben ihrer Arbeit auch die Verantwortung für einen Pflegebedürftigen übernehmen müssen. In diesem Beitrag beleuchten wir, welche Herausforderungen sich bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ergeben und welche Lösungen es gibt, um diese schwierige Situation zu meistern.
Herausforderungen für Berufstätige in der Pflege
- Zeitliche Belastung
Die Pflege eines Angehörigen erfordert viel Zeit. Arztbesuche, Medikamentengabe, Haushaltshilfe und emotionale Unterstützung lassen sich oft nur schwer mit einem 40-Stunden-Job vereinbaren. - Körperliche und psychische Belastung
Die Pflege eines geliebten Menschen ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern kann auch zu emotionalem Stress führen. Dies kann langfristig die eigene Gesundheit beeinträchtigen. - Fehlende Flexibilität am Arbeitsplatz
Nicht alle Arbeitgeber bieten flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice-Optionen an. Gerade in Berufen mit festen Schichtzeiten ist es schwierig, Pflege und Arbeit zu kombinieren. - Finanzielle Herausforderungen
Wer seine Arbeitszeit reduziert oder vorübergehend aus dem Job aussteigt, muss mit finanziellen Einbußen rechnen. Pflege kann zudem hohe Kosten verursachen, etwa für Pflegedienste oder Umbaumaßnahmen in der Wohnung.
Gesetzliche Unterstützung und finanzielle Hilfen
Zum Glück gibt es in Deutschland verschiedene gesetzliche Regelungen, die Pflege und Beruf besser vereinbar machen sollen:
- Pflegezeitgesetz
Arbeitnehmer können bis zu sechs Monate von der Arbeit freigestellt werden, um sich um einen nahen Angehörigen zu kümmern. Während dieser Zeit besteht ein Kündigungsschutz. - Familienpflegezeit
Hierbei kann die Arbeitszeit über einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten reduziert werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein zinsloses Darlehen zur finanziellen Unterstützung beantragt werden. - Pflegeunterstützungsgeld
Arbeitnehmer haben Anspruch auf bis zu zehn Tage bezahlte Freistellung, wenn sie kurzfristig eine Pflege organisieren müssen. - Steuerliche Entlastungen
Pflegekosten können steuerlich geltend gemacht werden. Zudem gibt es Zuschüsse von der Pflegekasse für notwendige Umbauten oder Pflegehilfsmittel.
Praktische Lösungen für den Alltag
- Flexibilität im Beruf schaffen
- Mit dem Arbeitgeber über Homeoffice, Gleitzeit oder reduzierte Arbeitszeiten sprechen.
- Falls möglich, auf Teilzeit umsteigen oder über Jobsharing nachdenken.
- Unterstützung von Kollegen einholen, um kurzfristige Ausfälle abzufedern.
- Professionelle Pflegeangebote nutzen
- Ambulante Pflegedienste können entlasten, indem sie medizinische Versorgung und Grundpflege übernehmen.
- Tagespflegeeinrichtungen bieten eine Betreuung während der Arbeitszeiten.
- Pflegeberatungsstellen helfen bei der Organisation und Beantragung von Hilfen.
- Innerhalb der Familie Aufgaben verteilen
- Pflegeverantwortung sollte auf mehrere Schultern verteilt werden, um Überlastung zu vermeiden.
- Angehörige und Freunde um Hilfe bitten – sei es für Einkäufe, Arztbesuche oder Betreuung.
- Auf die eigene Gesundheit achten
- Pausen einplanen und Auszeiten nehmen.
- Unterstützungsangebote wie Selbsthilfegruppen oder psychologische Beratung nutzen.
- Sport, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf in den Alltag integrieren.
Fazit
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Pflegefall ist eine Herausforderung, aber mit der richtigen Planung, gesetzlicher Unterstützung und familiärer Zusammenarbeit lassen sich gute Lösungen finden. Wer sich frühzeitig informiert und aktiv Hilfe in Anspruch nimmt, kann Überlastung vermeiden und sowohl dem Angehörigen als auch sich selbst gerecht werden.
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